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I N T R O D U C T I O N - 2 -

Megacities + Korallenriffe
Falls hünenhafte "Außerirdische" in unseren "Megacities" auf "Wolkenkratzern" landen würden, und in den Straßenschluchten Menschen in "Ameisengröße" sähen, kämen sie wohl kaum auf die Idee, in diesen winzigen Wesen sofort die Erbauer von Superstädten zu sehen, in denen viele Millionen Menschen auf engstem Raum leben.

Ebenso hielten wir Menschen Korallen lange Zeit für Blumen und erkannten nicht, dass winzige Polypen (meist kleiner als 1 mm) die Erbauer sämtlicher Korallenriffe sind, die sich durchaus mit unseren Megacities vergleichen lassen. - Denn in ihnen gibt es die weltweit größte Tierdichte, deren
Artenreichtum nur noch mit dem der tropischen Regenwälder konkurriert.

Darüber hinaus sind sie offenbar für die Fruchtbarkeit der Meere unverzichtbar, indem sie mindestens 25% aller Fischarten wenigstens zeitweise als „Kinderstube" dienen, obwohl Korallenriffe nur 0,1 % des Meeresbodens bedecken.

Trotzdem könnten auch "Außerirdische" die Riffe entdecken (wie auch wir: in Teil 1 der BBC-Serie "Unser Planet aus dem All") weil sie ein heller "Ring" umgibt. - Denn in diesem Umkreis können "Riffbewohner" relativ ungefährdet sämtliche Algen abfressen (bis hin zum hellen Sand, auf dem sich bekanntlich "schlecht bauen" lässt).

Grundstückssuche

Vor Baubeginn müssen sowohl Mensch als auch Koralle ein geeignetes Grundstück finden. - Anders als die meisten menschlichen "Baumeister" müssen Korallen jedoch auch gleichzeitig schon ihre späteren Untermieter auswählen (und "einsammeln") denn sie bezahlen von Anfang an ihre "Miete" in Form von photosynthetisch produziertem Zucker, von dessen Energie die Koralle zu 90 % lebt (und baut). - Somit bestreitet sie nur 10 % ihres "Lebensunterhalts" durch selbst "Herbeigestrudeltes".

Folglich bestimmen die Bedürfnisse der "Mieter" sowohl Grundstücksauswahl als auch die spätere Bauweise. - Die dazu nötige (aber im Meer anscheinend äußerst seltene) Kombination von "felsenfest" und "hell" gibt es vor allem in Gezeitenzonen, deren Strömungen die späteren Korallenriffe standhalten müssen.

Das ist auch für Megacities wie z.B. New York interessant, die deshalb im Rahmen ihres Küstenschutzes versuchen, Korallen als eine Art "lebende Wellenbrecher" anzusiedeln, indem sie ihnen Metallgitter und durchlöcherte Betonkugeln als feste Untergründe "anbieten". - Für beides (Grundstückssuche + Mieterauswahl) hat die Koralle maximal 6 Wochen Zeit. - Und zwar gleich am Anfang ihres Lebens: als frisch geschlüpfte, längliche (+ schwimmfähige) Planula-Larve.

Zur "Bautechnik" der Koralle
Nachdem ein geeigneter Baugrund gefunden wurde (neben felsigem Untergrund könnte das auch eine "Bauruine" sein: z.B. ein verlassener Korallenstock) verwandelt sich die spiegelsymmetrische Larve in einen radiärsymmetrischen Polypen: Ein winziges becherförmiges Tier, das aus nur zwei Zellschichten besteht, am "Becherrand" winzige Fangärmchen ausbildet, und sich am Boden dauerhaft mit seiner "Fußscheibe" festsetzt.

Danach beginnt der Polyp damit, selbst synthetisiertes Kalziumkarbonat als Baumaterial nach außen d.h. unter seiner Fußscheibe auszuscheiden (analog einem "lebenden 3-D-Drucker") und sich selbst bei Bedarf (durch Längsteilung) zu klonen, wobei die Tiere (aufgrund der immer dicker w
erdenden Kalkschicht unter ihren Fußscheiben) immer weiter nach oben "geschoben" werden.

"Form follows function" im Korallenriff
Verzweigungen erfolgen stets in Lichtrichtung, damit die in den Polypen wohnenden Symbiose-Algen (als lebende "Photovoltaik-Anlagen") ihren "Mietzins" erarbeiten können. - Dabei variieren Anzahl und Dicke der Äste je nach vorherrschendem Wellengang (oben im Riff: wenige, dicke Äste mit "Bollwerk"- Funktion)bzw. bei Wellenruhe (in tieferen Rifflagen: sind filigranere Verästelungen möglich).

Das Ergebnis: eine verschwenderische Formenvielfalt, die an die Jugendstilbauten Gaudis in Barcelona, oder auch an das berühmte Hundertwasser-Haus in Wien erinnert. - Und doch: das Bauhaus-Prinzip "Form follows function" in "Reinkultur" (allerdings ohne standardisierte "Massenproduktion") als Optimierung von "Baunutzen" + "Baustatik" in individueller "Einzelfertigung" (aber ohne "rechte Winkel").

Wie in Korallenriffen hat inzwischen auch in Singapur die Photosynthese wieder Vorrang. - Denn dort sorgt eine strenge Bauvorschrift für "grüne Architektur" (indem die Grünfläche, die durch ein neues Hochhaus am Boden vernichtet wird, an anderer Stelle des Gebäudes ersetzt werden muss). Siehe dazu (11/08/2019):
https://www.tagesschau.de/ausland/singapur-gruene-architektur-101.html